Busfahrt in Sizilien


Ich bin sehr oft in meiner sizilianischen Heimat, doch noch nie hatte ich das Vergnügen, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Immer wurde ich gefahren oder hatte schon am ersten Ferientag mein Auto versichert und fahrbereit. Diesen Sommer war die Kfz-Versicherung meines Autos in Sizilien noch nicht aktiviert. Meine Verwandten sind nicht mehr die Jüngsten und sie können sich nicht mehr darum kümmern, so musste ich aktiv werden und den Bus bis ins Zentrum des Ortes nehmen.

Ich ging also aus dem Haus und suchte nach der Haltestelle, die nur ein paar Häuser entfernt sein sollte. Aber von einer Haltestelle war nichts zu sehen. Kein „H“ für Haltestelle bzw. „F“ für Fermata. Ich fragte in der Nachbarschaft und man sagte mir ich solle mich einfach auf die gegenüberliegende Straßenseite stellen und wenn der Bus käme einfach ein Handzeichen geben. Als ich nach dem Schild mit dem „F“ fragte wurde ich zum ersten Mal belächelt: „Wofür ein Haltestellenhinweis, man wisse doch wo mehr oder weniger die Haltestellen seien!“, bekam ich zur Antwort. Erneut belächelt wurde ich, als ich nach dem Fahrplan fragte: „Wieso ein Fahrplan, man wisse doch, dass der Bus einmal stündlich fahre und zwar immer um Halb.“ Dass in Wirklichkeit der Bus im Sommer nicht den ganzen Tag über fährt, sondern nur einige Stunden vormittags und einige nachmittags, hätte ich natürlich auch wissen müssen, ebenso, dass die Busse wegen „technischer Probleme“ hie und da mal eins bis zwei Tage aussetzen. Zum Glück befand ich mich zufällig am richtigen Tag und zur richtigen Uhrzeit an der Haltestelle und habe so nicht umsonst warten müssen. Fünf Minuten vor Ankunft des Busses gesellten sich einige Nachbarn zu mir, die ebenfalls mit dem Bus fahren wollten. So nutzte ich die Gelegenheit, um nach den Fahrpreisen zu fragen und ob der Fahrkartenautomat auch Scheine annehmen würde. Ich hatte nämlich erfahren, dass der Busfahrer keine Fahrscheine ausstellt und auch kein Geld annehmen darf. „Fahrscheinautomat? Was ist das?“ Wieder schaute man mich an, als ob ich vom Mond käme. Den Fahrschein müsse man natürlich vor Fahrtantritt haben und diese seien an jedem Kiosk zu kaufen. Ein Glück, dass ganz in der Nähe ein Kiosk ist und die Busse nie pünktlich ankommen, so hatte ich ausreichend Zeit, um zum Kiosk zu laufen, den Fahrschein zu kaufen und wieder rechtzeitig an der Haltestelle zu sein. Der Preis hat mich überrascht: Uneingeschränkt, ein Euro für zwei Stunden. Früher durfte man sogar für einen Euro den ganzen Tag fahren, egal in welche Richtung und egal wie viele Fahrten. Die Straßen des Ortes sind auch besonders, so wurde ich die ganze Fahrt über geschüttelt und gerüttelt.

Auf der Rückfahrt suchte ich wieder wie verrückt nach der Haltestelle. Ich hatte nicht im Zentrum den Bus nach Hause genommen, da ich noch die Gelegenheit nutzte, um zum Geschäft eines Cousins zu gehen. So schaute ich mich um, fragte nach der Haltestelle und als ich endlich an einer ankam, war ich nur zwei Haltestellen von meiner Ferienwohnung entfernt, so dass ich die halbe Stunde bis der Bus kam nicht mehr warten wollte. Schließlich kam ich irgendwann erschöpft und halb verdurstet von der Hitze und mit einigen Blasen an den Füssen nach Hause zurück.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.